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Die Rutschung in Brienz/Brinzauls gewinnt an Geschwindigkeit

Das Bündner Dorf Brienz/Brinzauls rutscht immer schneller talwärts. Die Bewohner müssen sich auf grössere Schäden an Häusern und Leitungen einstellen. Zudem könnte der Hang oberhalb des Dorfes ins Rutschen geraten. Die Wahrscheinlichkeit dafür ist zwar nach wie vor klein, aber sie ist gestiegen. Die engmaschige Überwachung der Rutschung wird weiter verstärkt, die Gemeinde hat weitere Vorkehrungen zur Sicherheit getroffen.

Der «Brienzer Rutsch» beim Bündner Dorf Brienz/Brinzauls nimmt an Geschwindigkeit zu. Sowohl im Dorf selber, als auch im darüber liegenden Rutschung am Berg, hat die seit Jahrzehnten bekannte Bewegung in den letzten Jahren zugenommen. Die Messpunkte im Dorf bewegen sich nun mit bis zu einem Meter, diejenigen an der Felskante (oberhalb des Dorfes) mit mehr als vier Metern pro Jahr talwärts.

Die Gemeinde Albula/Alvra, zu der Brienz/Brinzauls gehört, hat die Bevölkerung am Freitagabend über die aktuellen Messresultate, die Überwachung der Rutschung sowie die Vorkehrungen zur Sicherheit der Bewohner informiert. Eine mögliche Zuspitzung der Situation ist nicht plötzlich, sondern eher über mehrere Wochen oder Monate zu erwarten. Dennoch hat die Gemeinde, unterstützt durch den Kanton, vorsorglich auch Vorbereitungen für eine allfällige rasche Evakuierung des Dorfes und von Teilen der benachbarten Orte Vazerol, Surava und Tiefencastel getroffen.

 

Rutschung im Dorf und möglicher Bergsturz

Geologen und Naturgefahrenexperten des kantonalen Amts für Wald und Naturgefahren Graubünden (AWN) stellten verschiedene Szenarien für die künftige Entwicklung vor. Durch die Rutschung des gesamten Dorfes Brienz/Brinzauls treten heute bereits Schäden an Gebäuden und Leitungen auf, die in den meisten Fällen aber reparierbar sind. Sollte sich die Rutschung weiter beschleunigen, kann das zu weiteren, auch schweren Schäden an Gebäuden und Versorgungsinfrastruktur führen. Sie könnten Gebäude unbewohnbar machen und die Versorgung des Dorfes stark erschweren.

Aus dem Gebiet oberhalb des Dorfes stürzen heute sporadisch Felsblöcke ab und gefährden die darunterliegenden Wiesen und die Verbindungsstrasse nach Lantsch/Lenz und Lenzerheide. Die Gemeinde hat dort deshalb im September 2018 aus Sicherheitsgründen ein Betretungsverbot erlassen.

Eine weitere Beschleunigung der Felsmassen oberhalb des Dorfes wird nicht plötzlich, sondern eher über Wochen oder Monate erwartet. Sie könnte das Dorf Brienz/Brinzauls dann gefährden, wenn grössere Felsmassen abrutschen oder abstürzen. Das Dorf müsste in einem solchen Fall evakuiert werden. Sollten grosse Volumen ins Rutschen kommen oder abstürzen, können sie auch Teile der benachbarten Orte Vazerol, Surava und Tiefencastel gefährden. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Dörfer durch einen Bergrutsch oder Bergsturz getroffen werden, ist zwar nach wie vor sehr klein, aber sie ist gestiegen.

 

Vorbereitungen aus Sicherheitsgründen 

In und um Brienz/Brinzauls wurden bereits mehrere Sondierbohrungen durchgeführt, um den Untergrund zu untersuchen. Weitere Bohrungen werden folgen. Mittels Laser-, Satellitenortungs- und Radartechnik werden die Rutschungen des Dorfes und des darüber liegenden Gebietes oberhalb ständig genau überwacht. Dies erlaubt den Fachleuten die laufende Beurteilung der Situation und eine frühzeitige Warnung an Gemeinde und Bevölkerung, sollte sich die Lage zuspitzen.

Die Gemeinde hat zudem vorbeugend erste Vorkehrungen für eventuelle Evakuierungen getroffen. Unterstützt durch das Amt für Militär und Zivilschutz Graubünden (AMZ) ist der Gemeindeführungsstab zu Ausbildungskursen und vorbereitenden Planungen zusammengekommen. Dabei wurde vorsorglich die Evakuierung von Brienz/Brinzauls sowie von Teilen der Orte Vazerol, Surava und Tiefencastel geplant. Die Führungsorganisation der Gemeinde wäre nun in der Lage, Menschen und Tiere innerhalb weniger Stunden geordnet zu evakuieren.

Bei der Beobachtung und Beurteilung der Lage und der Vorbereitung der vorbeugenden Massnahmen wird die Gemeinde von zahlreichen Experten des Kantons und externen Fachleuten unterstützt. Von kantonaler Seite sind Dienststellen aus allen Departementen und die Gebäudeversicherung Graubünden GVG involviert, die Kantonsregierung und der kantonale Führungsstab wurden über die Lage informiert.

 

Information der Bevölkerung

Die Informationsveranstaltung vom Freitag war bereits die dritte ihrer Art. Die Gemeinde wird die Bevölkerung und die Öffentlichkeit wieder informieren, sobald eine Veränderung der Lage eintritt oder wichtige Entscheidungen gefällt wurden.

Im Internet wurde unter www.albula-alvra.ch eine Informationsseite zum Brienzer Rutsch eingerichtet, über Twitter (www.twitter.com/AlbulaAlvra) werden aktuelle Informationen publiziert. Für Fragen aus der betroffenen Bevölkerung steht die Gemeinde zur Verfügung.

Kontakte

  • Gemeinde Albula/Alvra
    Mediendienst: 079 355 78 78
  • CSD Ingenieure AG
    Stefan Schneider, Geologe 079 219 30 58
  • Amt für Wald und Naturgefahren (AWN)
    Andri Largiadèr 081 257 50 23
  • Amt für Militär und Zivilschutz (AMZ)
    Martin Bühler, Amtsleiter  081 257 35 22
  • Gebäudeversicherung Graubünden (GVG)
    Markus Feltscher, Direktor 081 258 90 01

Über Brienz/Brinzauls

Das Dorf Brienz/Brinzauls ist eine Ortschaft der 2015 fusionierten Gemeinde Albula/Alvra in Mittelbünden. Brienz/Brinzauls liegt auf einer Sonnenterrasse an der Verbindungsstrasse von Lenzerheide nach Davos auf einer Höhe von rund 1150 Metern. Es hat knapp 100 Einwohner und in der Saison bis zu 200 Feriengäste.

Das Dorf ist seit Menschengedenken in Bewegung: Die gesamte Terrasse rutscht vermutlich seit der letzten Eiszeit talwärts. In den vergangenen 100 Jahren bewegte sich Brienz/Brinzauls jeweils wenige Zentimeter pro Jahr. In den letzten zwanzig Jahren hat sich die Rutschung aber stark beschleunigt: Aktuell beträgt die Bewegung rund einen Meter pro Jahr.

Seit 140 Jahren bewegen sich auch die Hänge oberhalb des Dorfes: Im Jahr 1877 begann nordöstlich des Dorfes Felsmasse von rund 13 Millionen Kubikmeter talwärts zu rutschen. Da die Rutschung – heute «Igl Rutsch» genannt – relativ langsam und über mehrere Wochen erfolgte, kamen keine Menschen zu Schaden.

Bilder

Bilder können zur redaktionellen Verwendung kostenlos von flickr heruntergeladen werden: www.flickr.com/photos/gartmannbiz/albums/72157708376304704/with/32818250557/  

Informationen zum Brienzer Rutsch

Die Informationen der Gemeinde Albula/Alvra zum Brienzer Rutsch liegen auf folgender Seite bereit: 

www.albula-alvra.ch/Aktuelles/Info %20Brienzer%20Rutsch/default.htm 

 

Christian Gartmann ist Mitglied des Führungsstabes der Gemeinde Albula/Alvra für den Brienzer Rutsch und Kommunikationsbeauftragter