News

Pressemitteilungen Kunden Medienarbeit

Ein Kampf gegen Windmühlen

Vor 25 Jahren wurde die Swiss Helicopter Association gegründet. Der Kampf gegen eine übermässige Regulierung war und ist eine ihrer Hauptaufgaben. Drei Gründer von damals blicken zurück.

Mit der HB-XKE kam 1996 der erste Kamov Ka-32A12 in die Schweiz. Er ist noch heute für Heliswiss International im Einsatz. (Bild: Sammlung FW)

Schweizer Know-how im Ausland: Seit 2010 bildet Air Zermatt Rettungspiloten in Nepal aus. Im Bild: Air Zermatt CEO Gerold Biner 2011 im Himalaya. (Bild: Air Zermatt)

Ein Stück Zukunft: Der erste Prototyp des Marenco SH09 (HB-ZXA) flog am 2. Oktober 2014 seinen Erstflug. Bild: Marenco Helicopters)

Ein Stück Schweizer Helikoptergeschichte ist diese Alouette 3 (SA.316B) der Air Glaciers: Die HB-XCB wurde 1966 gebaut, war die erste zivile Alouette 3 in der Schweiz und steht heute noch im Einsatz. (Bild: Sammlung FW)

Mit der BO 105 setzte die Rega ab 1973 erstmals zweimotorige Helikopter ein. Die HB-XGW (BO 105 CBS-4) flog von 1977 bis 1996 für die Rega. (Bild: Franz Wegmann)

«Es war eine grosse Aufbruchstimmung», erinnert sich Valair-CEO Hansruedi Amrhein an den 29. März 1993. Im Bahnhofbuffet Bern waren Vertreter von 20 Firmen zusammengekommen, um die heutige Swiss Helicopter Association als «Verein der Schweizerischen Helikopterunternehmen» zu gründen. Amrhein (56) ist der einzige im aktuellen SHA-Vorstand, der bei der Gründung schon dabei war. «Ich war der Kleinste am Tisch. Meine Flotte bestand aus einem einzigen Robinson R22», lächelt er. «Dennoch war mir klar, dass wir alle profitieren würden, wenn wir uns für gemeinsame Interessen einsetzen.»

Es war der inzwischen verstorbene Air Grischa-Geschäftsführer Hans Küng gewesen, der sie zusammengetrommelt hatte. Am Tisch sassen lauter Konkurrenten. «Am Anfang ging es darum, dass wir alle Landesteile und alle Arten von Helikopterfirmen vertreten konnten. Nur so könnten wir uns beim Luftamt Gehör verschaffen», erzählt Bruno Bagnoud (83), der Gründer von Air Glaciers. Bagnoud war mehr als 20 Jahre im SHA Vorstand, prägte den Verband und dessen Arbeit massgeblich und ist heute SHA-Ehrenmitglied. Er war es auch, der an der Gründungsversammlung den Leitsatz des Verbandes formulierte: «Erstes Ziel des Vereins ist es, gemeinsam gegen die Tendenz zu mehr Regeln und Vorschriften vorzugehen.»


«Im Umgang mit der EASA hätte ich mir von unserem BAZL mehr Unterstützung erhofft»

Die Regulierung der europäischen Luftfahrt hat in den 25 Jahren aber nicht etwa abgenommen. Beat Perren (88), Gründer der Air Zermatt, umschreibt es bildlich: «Das originäre Schweizer Luftrecht war ein relativ kleines Büechli und auch das amerikanische ist noch überblickbar. Im EASA-Luftrecht hingegen bestehen allein die Vorschriften für OPS und Flight Crew Licencing aus zwei Wälzern mit über 3'500 Seiten.»

Auf den Erfolg oder Misserfolg ihrer Arbeit angesprochen, reagieren die drei befragten Gründer denn auch eher zurückhaltend. «In Bern haben wir zwar rasch eine gewisse Akzeptanz erzielt, aber gerade im Umgang mit der EASA hätte ich mir von unserem BAZL mehr Unterstützung erhofft», sagt Bruno Bagnoud. In einigen Punkten habe die SHA dennoch durchaus Erfolge erzielt.

«Die Möglichkeiten, auf die Politik Einfluss zu nehmen, sind sehr beschränkt», bilanziert Beat Perren. «Trotz allem Einsatz ist der Betrieb für uns alle immer bürokratischer, komplizierter und dadurch teurer geworden.» Es ist vor allem die Aufgabe des Präsidenten Martin Candinas, in der Politik die nötige Aufmerksamkeit und Akzeptanz für die Anliegen der Branche zu erreichen. (Siehe Interview).


Akzeptanz in der Bevölkerung

Nicht alle Probleme kommen aus Köln und Brüssel: Die Forderungen nach immer restriktiveren Vorschriften für Aussenlandungen und die Schliessung von Gebirgslandeplätzen halten den Verband auch ein Vierteljahrhundert nach seiner Gründung auf Trab. Basis für alle Bemühungen ist die Akzeptanz in der Bevölkerung. An ihr arbeitet nicht nur der Verband, sondern jedes seiner Mitglieder Tag für Tag.

Auch innerhalb der Branche ist die Sensibilisierungsarbeit für den Verband jeden Tag eine Aufgabe, räumt Hansruedi Amrhein ein. «Man muss manchmal auch über den eigenen Schatten springen. Von zehn Verbandsthemen bringen meinem Unternehmen vielleicht sieben etwas. Die anderen drei sind im besten Fall unwichtig. Dennoch unterstütze ich sie wenn ich sehe, dass sie für die Branche wichtig sind.»

Bruno Bagnoud nickt: «Nicht alle haben dieselben Interessen und ein gemeinsamer Nenner ist nicht immer einfach zu finden. Zusammen haben wir aber zweifellos mehr erreicht, als wenn jeder seine Interessen allein vertreten hätte.»

 

Klartext

Von Martin Candinas, Präsident SHA

Seite an Seite

Jubiläen sind beliebte Anlässe, um zurück zu schauen. Auch die SHA blättert zu ihrem Fünfundzwanzigsten in ihren Geschichtsbüchern und an der Jubiläums-Generalversammlung wurde manch alte Geschichte ausgegraben. Der Blick zurück ist sinnvoll, denn wer seine Geschichte nicht kennt, kann auch nichts aus ihr lernen.

Die Helikopterbranche hat ein bewegtes Vierteljahrhundert hinter sich. Wie fast jede Schweizer Branche steht sie unter starkem Kostendruck und die Anforderungen der Kunden an das Personal und sein Fluggerät sind enorm gewachsen.

Die Ziele, die sich die SHA vor 25 Jahren auf ihre Fahne geschrieben hat, haben nichts an Aktualität verloren. Im Gegenteil: die nationale und internationale Regulierung hat ein Ausmass angenommen, das viele Betriebe kaum mehr stemmen können und Fluglärmgegner und Alpenschützer bekämpfen systematisch Landeplätze, Trainingsräume und Anflugrouten.

Es ist das Los vieler Branchenverbände, dass sie scheinbar gegen Windmühlen kämpfen. Das braucht viel Kraft und ist nicht selten frustrierend. Deshalb ist das Jubiläum der SHA auch der Moment, danke zu sagen. Meinen Vorgängern im Präsidentenamt, Francesco Maurer, Hans Küng und Rudolf Joder, den Geschäftsführern Dieter Neupert, Hans Schumacher, Adrian Stäger und Philip Kristensen, meinen aktuellen Vorstandskollegen sowie – stellvertretend für alle ehemaligen Vorstände – unserem Ehrenmitglied Bruno Bagnoud.

Seite an Seite haben sie die SHA und ihre Anliegen vorwärtsgebracht. Dabei wurde viel gearbeitet, gekämpft, diskutiert und auch gestritten. Dass nicht immer alle das Heu auf der gleichen Bühne hatten, gehört genauso zum Alltag eines Branchenverbandes wie die Tatsache, dass man seine Ziele kaum je einfach erreicht und man manchmal Kompromisse eingehen muss, die weh tun.

Genauso typisch für einen Branchenverband ist die Kooperation mit den Behörden. Der Kampf gegen die überbordende Regulierung ist kein Kampf gegen die Behörden, sondern vielmehr ein Miteinander zur Entwicklung von praxisnahen Bestimmungen, welche die Unternehmen sinnvoll umsetzen können. Die Arbeit wird der SHA in den nächsten Jahren nicht ausgehen.

 

Christian Gartmann ist Beauftragter für Kommunikation und Medien des Branchenverbandes Swiss Helicopter Association (SHA). Dieser Artikel erschien in der Juni-Ausgabe des Schweiz Aviatikmagazins Cockpit.