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Bode Miller: «Du wächst nicht an Deinen Siegen»

Keiner legte sich in die Turns wie er: Mit seinem einzigartigen Stil und seiner kompromisslosen Risikobereitschaft wurde Bode Miller Weltmeister und Olympiasieger. Im Gespräch mit dem Skiservice Magazin blickt er zurück auf seine Erfolge und macht sich Gedanken über die Zukunft des Skisports.

«Ich habe gespürt, dass die Leute da gleich ticken wie ich», sagt Bode Miller über das Engadin. «Wir sind alle aus demselben Holz geschnitzt; wir teilen die Freude am Skifahren und tun alles, es unseren Gästen und unseren Kindern weiterzugeben.»

In St. Moritz gewann Bode seine ersten grossen Titel: «Ich fuhr gegen Maier, Eberharter, Walchhofer, Kjus, Aamodt. Sie waren alle besser als ich. Ich war der Neue und ich wusste, dass ich kompromisslos alles geben musste, wenn ich gewinnen wollte.»

Der Sport habe sich seither verändert, es fehlten die Ausnahmeathleten: «Leute wie Hermann Maier oder Alberto Tomba konnte man nur schlagen, wenn man das Letzte aus seinem Körper und seinem Material herausholte», sinniert Miller. «Sie hoben den ganzen Sport auf ein höheres Niveau.»

«Die handwerkliche Qualität entscheidet.»

Seit 2015 ist Bode keine Rennen mehr gefahren. Als Familienvater hat er andere Prioritäten. «Das Wichtigste für mich ist, für die vier Kinder da zu sein. Sie fahren alle Ski, aber ich dränge sie nicht dazu. Sie sollen den Sport entdecken und Freude daran entwickeln.»

Sport ist eine Lebensschule, die Bode geprägt hat: «Du wächst nicht an deinen Siegen, sondern an den Niederlagen; rappelst dich immer wieder auf, fasst einen neuen Plan und setzt ihn um. Das kann dir niemand beibringen; das musst du selbst erleben und daraus lernen.»

Zum Ende seiner Sportkarriere hat sich der Olympiasieger zwei kleinen Herstellern zugewandt, die er als Miteigentümer, Innovationsverantwortlicher und Botschafter prägt: Aztech Mountain und Bomber Skis. «Hier kann ich aktiv etwas verändern und mit dafür sorgen, dass nur die besten Produkte in die Läden kommen», umschreibt er seine Rolle.

Aztech Mountain hat sich kein geringeres Ziel gesetzt, als die beste Skibekleidung der Welt zu machen. «Skifahren ist Bewegung: Deine Bekleidung darf dich auf keinen Fall einschränken. Sie sollte wasserdicht sein und dich im Winter warm halten, aber doch nicht zu warm.»

Es gebe viele Textilmarken, die sich als Lifestyle-Produkte anpriesen, sagt Bode. «Aber die meisten sind es einfach nicht. Zu deinem Lebensstil gehört ein Teil erst, wenn du es in wirklich jeder Situation gerne trägst. Mit unseren Jacken gehst du abends auch mal aus - einfach weil du dich darin so wohl fühlst.»

«Heute will jeder nur noch billig und billiger produzieren - und am Ende produzieren alle nur noch Schrott. Die handwerkliche Qualität entscheidet darüber, ob unsere Kunden Spass mit unseren Produkten haben. Bomber und Aztech produzieren deshalb in Italien. Das hat seinen Preis, aber die Qualität stimmt.»

«Wir müssen bei den Kindern anfangen.»

Skifahren hat Bode geprägt - und Bode hat das Skifahren geprägt. Der Sport liegt ihm am Herzen, das spürt man in jedem seiner Sätze. «Wenn wir den Sport nachhaltig fördern wollen, müssen wir bei den Kindern anfangen», ist der Champion überzeugt. «Kleinere Kinder sollten für die Tickets nichts bezahlen müssen. Wenn sie als Kinder die Freude dieses Sports erleben, wird Skifahren immer ein Teil ihres Lebens sein.»

Dieser Artikel von Christian Gartmann ist im Skiservice Magazin 2018 erschienen:
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