Erinnern Sie sich? Eine Gruppe rosa Plüschhasen mit kleinen Trommeln vor den rosa Bäuchen marschiert und trommelt. Nach und nach geht den Hasen der Batteriestrom aus. Nur einer trommelt länger: Es ist der Duracell-Hase. Weltweit ist er zum Sinnbild für Ausdauer und Energie geworden.
Von Alessandro della Vedova*
Das Bündner Wappentier ist zwar kein rosa Hase, aber nicht wenige Bündner sehen in unserem Steinbock ein Tier mit unendlicher Energie. Die Wasserkraft unserer Flüsse und Seen produziert in der Summe rund drei Mal mehr Energie, als wir selbst verbrauchen. Und mehr noch: Dank neuer Pumpspeicherwerke könnten wir zur Batterie der Schweiz, ja sogar zur Batterie Europas werden. Bloss: Ohne Strom aus Atom, Kohle, Öl oder Gas funktionieren auch die Bündner Pumpspeicherkraftwerke nicht.
Windenergie von den Meeresufern ist noch keine Lösung, und Windfarmen und Solarkraftwerke in der Schweiz werden den Ausstieg aus der Atomenergie schon aus Gründen des Landschaftsschutzes nicht retten. Man kann mit dem Verdikt des Bündner Volkes zur Kohlekraftwerkfrage glücklich sein oder nicht: Der lange Abstimmungskampf und die vielen Diskussionen haben der Bevölkerung klargemacht, dass auch die Energiewende eine Kehrseite hat, und die ist fossil.
Irgendwann geht jedem Hasen der Strom aus
Wenn wir ernsthaft aus der Atomenergie aussteigen wollen, müssen wir deshalb aber auch auf Verbraucherseite umdenken. Denn auch dem stärksten Batteriehasen geht irgendwann der Strom aus, wenn er nicht haushälterisch damit umgeht. Es gibt heute schon eine Vielzahl an Geräten und Anlagen, die weniger Energie verbrauchen. Oft sind sie aber teurer als die alten Stromfresser. Neben dem Staat und der Industrie müssen sich auch Gemeinden und Private darüber klar werden, dass uns die Energiewende kurzfristig Geld kostet.
Poschiavo hat diese Erfahrung bereits gemacht: Ein vor zwei Jahren beschlossenes Gesetz zur Förderung der Energieeffizienz ist zum Papiertiger verkommen. Das Gemeindebudget weist ein Defizit aus, die Ausgaben wurden anders verteilt. Die Umsetzung des Gesetzes musste verschoben werden, ansonsten hätte die Gemeinde Dienstleistungen abbauen müssen, die für die Bevölkerung aus sozialer Sicht schmerzhaft gewesen wären. Das Beispiel ist leider emblematisch: Wenn der gute Wille auf die harte Realität prallt, werden die Prioritäten plötzlich ganz anders gesetzt.
Den Dreck nicht unter den Teppich kehren
Strom sparen allein kann die Energiewende nicht stemmen: Die Katastrophe von Fukushima hat uns zwar die Gefahren der Atomtechnologie auf sehr schmerzhafte Weise in Erinnerung gerufen, die kontroversen Diskussionen über die Energiewende haben aber auch klargemacht, dass wir den Atomstrom zuerst ersetzen müssen, bevor wir Kernkraftwerke stilllegen können. Dennoch tut sich der Energiekanton Graubünden schwer mit der Umsetzung der Energiewende.
Sich gegen vermeintlich schmutzige Energiegewinnung im Ausland zu stemmen mag zwar ein hehres Vorhaben sein, aber die «Batterie Graubünden» mit ihren Pumpspeicherseen funktioniert nun einmal nicht ohne Strom von aussen, auch nicht das von allen Seiten gelobte Projekt für den Lago Bianco. Die Verschiebung von Umweltbelastungen über Landesgrenzen kann genauso wenig eine Lösung sein wie das Verschliessen der Augen vor der Realität. Als Alternative zum Atomstrom müssen wir, zumindest vorübergehend, fossile Brennstoffe akzeptieren.
Die fossile Seite unserer Energiewende zu ignorieren, hiessse, den Dreck aus unserem Energiekonsum einfach unter den Teppich zu kehren. Damit ist das Problem aber auch nicht gelöst.
*Alessandro della Vedova (43) ist Podestà der Gemeinde Poschiavo, CVP-Grossrat und Vizepräsident der CVP Graubünden.
Dieser Gastkommentar erschien in der Engadiner Post / Posta Ladina vom 1. Oktober 2013.
Das Internet zum Anziehen
Smartphones und neuartige Gerätegenerationen verbinden uns immer enger mit dem Internet. Diese Konnektivität beeinflusst das Konsumverhalten unserer Kunden und Gäste. Unternehmen tun gut daran, sich auf eine neue Generation mobiler Mediennutzer einzustellen, denn am Ende geht es um ihren guten Ruf.
«Wearable Devices» heisst eine ganze Reihe neuer elektronischer Geräte, welche man anziehen und somit immer mit sich herumtragen kann.
Die Smartwatch zum Beispiel war eines der Topthemen der Elektronikmesse IFA, die am vergangenen Mittwoch in Berlin ihre Tore schloss. Auf diesen «Uhren» kann man zwar die Zeit ablesen, vor allem aber auch telefonieren, mailen, Videos schauen, Musik hören und vieles mehr. Die neuen Kleinstcomputer am Handgelenk sollen das Internet noch näher an die Benutzer bringen. Noch näher als die Uhr kommt die Brille «Google Glass». Ausgerüstet mit Kamera und einer Art Mini-Bildschirm im Brillenglas verbindet diese Brille alles, was man sieht, direkt mit Daten aus dem Internet.
Auf einer Party kann die Kamera zum Beispiel das Gesicht eines anderen Gastes aufnehmen, und dank Gesichtserkennung und Internetverbindung findet Google Glass im Nu den Namen des Gastes. Er wird über den Bildschirm direkt ins Gesichtsfeld des Brillenträgers eingeblendet. Vorbei die Zeiten, in denen man einen Namen nicht mehr wusste...
Mobile First!
Die mobile Nutzung von Internetinhalten wird sich weiter rasant entwickeln. Ob auf der Uhr, in der Brille, im Auto, im Flugzeug oder ganz profan auf dem Handy oder dem Tablet-Computer: Immer mehr Daten werden mobil konsumiert, und immer mehr Unternehmen reagieren und machen sich Gedanken über die mobile Nutzung ihrer Internetseiten. «Mobile Internetnutzer wollen sich besonders schnell und einfach informieren. Websites für mobile Geräte müssen noch übersichtlicher, Texte noch kürzer und knackiger sein», erklärt Kommunikationsfachmann Fabrizio D’Aloisio von der Agentur «Spot Werbung» in St. Moritz.
«Unterwegs hat man meist nicht die Zeit, minutenlang in Webseiten zu stöbern und lange Texte zu lesen. Zudem sind die Bildschirme kleiner als zuhause oder im Büro.» «Zum Start der kommenden Wintersaison lancieren wir eine eigene Website für mobile Geräte, denn die mobile Nutzung unserer Website ist innert drei Jahren von knapp drei auf über 20 Prozent gestiegen», erklärt Tourismusdirektor Urs Wohler von Engadin Scuol Samnaun Val Müstair. «Die Gäste greifen nun auch während ihres Aufenthaltes auf das mobile Web zurück.
Während sie zuhause in Ruhe die Anreise, Hotels oder Sportangebote recherchierten, suchen sie während ihres Aufenthaltes spontan nach Restaurantadressen, Öffnungszeiten, Veranstaltungen oder Ausflugstipps.»
Das Richtige. Zum richtigen Preis.
«Auch Gäste, die über ein gehobenes Budget verfügen, wollen sicher sein, dass sie das Richtige zum richtigen Preis kaufen. Unsere Gäste nutzen ihre Smartphones deshalb auch in unseren Läden, um Informationen über unsere Produkte zu bekommen. Dabei stellen sie sicher auch Preisvergleiche an», stellt Conradin Conrad fest. Dessen Familie den Ski-Service Corvatsch mit 13 Filialen im Oberengadin betreibt, hat aus der scheinbaren Not eine Tugend gemacht: In seinen grösseren Filialen gibt es nicht nur gratis Internetverbindung über Wireless-LAN, die Gäste bekommen zum Surfen im Internet gleich noch ein iPad ausgeliehen.
«Mobile First» heisst das Gebot der Zeit, auch im Gewerbe. Die Möglichkeit, im Internet zu surfen, wird auch ausserhalb von Hotelzimmern und Restaurants immer mehr nachgefragt. Auf die Frage, was das kosten darf, ergibt eine Umfrage bei Engadiner Hoteliers, Tourismusfachleuten, Wirten und Gewerbetreibenden nur eine Antwort: natürlich nichts. Die Gäste von heute erachten Internetkonnektivität als Basisdienstleistung, wie etwa den Fernseher im Hotelzimmer.
Der Moment zählt immer mehr
Die ständige Internetverbindung erlaubt den Kunden aber nicht nur den Abruf von Daten: Auch das Hochladen von Texten oder Bildern ist ständig und überall möglich. Der wunderschön angerichtete Vorspeisenteller findet genau so den Weg ins Internet wie der Sonnenaufgang, die nette Bedienung oder der freundliche Busfahrer.
Unmittelbare Eindrücke bestimmen immer mehr den Ruf einer Unternehmung im Internet. Und einen guten Ruf kann man sich nicht kaufen, man muss ihn sich verdienen. Für Unternehmen aller Branchen heisst das, dass sie gut daran tun, sich noch konsequenter auf ihre Kunden zu fokussieren.
Aktuelles Seminar zu diesem Thema
29. und 30. Oktober in Scuol und Pontresina. Informationen hier.