Schulterbeschwerden sind schmerzhaft und lästig. Die Behandlungsmöglichkeiten sind aber vielfältig. «Nicht immer braucht es eine Operation», erklärt der Schulterspezialist Dr. med. Holger Durchholz.

«Unsere Schulter ist nicht nur ein Gelenk, sie ist ein Zusammenspiel von gleich fünf Gelenken», erklärt Dr. Holger Durchholz, Schulterspezialist der Klinik Gut. Das grosse Schultergelenk wird unterstützt durch kleinere Gelenke am Schlüsselbein, dem Schulterblatt und dem Brustbein sowie zahlreiche Muskeln, Sehnen und Bänder. Zusammen halten sie den Gelenkkopf des Oberarms in der richtigen Position und machen die Schulter zum Gelenk mit der grössten Beweglichkeit des menschlichen Körpers.
Wenn die Schulter Probleme macht, äussert sich das meist durch Schmerzen, die am Gelenk selbst oder am Oberarm auftreten. Sie können auch in den Rücken oder den Nacken ausstrahlen. «Für Schulterpatienten wird nicht selten die Nacht zur Qual. Die gewohnte seitliche Schlafposition wird plötzlich schmerzhaft oder eine Drehbewegung tut so weh, dass man aufwacht.» Ursachen für Schulterbeschwerden können Fehl- und Überbelastungen, Verletzungsfolgen oder Abnützungserscheinungen sein.
«Ich wünschte mir, dass die Patienten früher zu uns kämen.»
Bei einer Untersuchung werden zuerst das gesamte Bewegungsspektrum des Schultergelenks und die Muskeln, Sehnen und Bänder überprüft, um den Schmerz und die Bewegungen, bei denen er auftritt, genauer zu lokalisieren. «Die Angaben des Patienten erlauben zusammen mit Röntgen- oder MRI-Bildern eine Diagnose der Ursachen», erklärt Dr. Durchholz.
Häufig ist in einem ersten Schritt eine Behandlung mit Physiotherapie möglich. «Behandeln heisst nicht immer operieren. Viele der Beschwerden kann man mit gezielten Übungen, speziellem Training und bewusster Körperhaltung lindern oder gar ganz zum Verschwinden bringen.»
Wenn Physiotherapie und Training keinen Erfolg haben, kann eine Schmerztherapie Linderung bringen. «Schmerzmedikamente können als Tabletten eingenommen oder auch direkt in die Regionen des Gelenks gespritzt werden, wo die Schmerzen entstehen. Sie befreien den Patienten nicht nur von lästigen Beschwerden, sondern ermöglichen zusätzlich einen besseren Effekt der Physiotherapie.» Erst wenn die konservativen Methoden ausgeschöpft sind, wird eine Operation in Betracht gezogen.
Die meisten Eingriffe können minimal-invasiv durchgeführt werden: Über kleine Hautschnitte werden eine Kamera und Sonden mit miniaturisierten Instrumenten ins Gelenk eingeführt. Sie können Bänder und Sehnen nähen oder mit Knochen verbinden oder Kalkablagerungen und beschädigte Knorpel entfernen.
«Wartet man zu lange, bleibt oft nur noch die Operation.»
Bei schweren Schäden an den Knochen können Gelenkteile oder das ganze Schultergelenk durch Implantate aus Metall, Keramik oder Kunststoff ersetzt werden. «Der Einsatz von Implantaten bietet sich dann an, wenn Knochen und Knorpel so stark geschädigt sind, dass die Bewegung des Gelenks nicht mehr schmerzfrei funktionieren kann.»
Ziel aller Behandlungsarten sind ein Leben ohne Schmerzen, volle Bewegungsfreiheit und Kraft im betroffenen Gelenk. «Ich wünschte mir, dass die Patienten früher zu uns kämen», resümiert Holger Durchholz. «Viele Schulterbeschwerden und Verletzungen sind in einem frühen Stadium gut therapierbar. Wartet man zu lange, werden die Schäden schlimmer und es bleibt oft nur noch eine Operation.»
Eine Operation behebt zwar die Schäden im Gelenk, sie ist aber nicht das Ende der Therapie. «Ein chirurgischer Eingriff macht den Weg frei, dass das Gelenk mechanisch wieder einwandfrei funktionieren kann. Sie ist aber erst die Basis für den Wiederaufbau von Bewegungsfreiheit und Muskulatur.» Danach folgen oft lange Rehabilitationsprogramme. Physiotherapeuten und Trainer leiten die Patienten dabei an, ihre Schulter wieder zur vollen Einsatzfähigkeit zurückzubringen.
«Durchhaltewillen und Ausdauer lohnen sich aber in jedem Fall», schliesst der Schulterspezialist. «Der allergrösste Teil unserer Patienten kann seine Schulter wieder normal einsetzen. Das verschafft ihnen wieder ihre volle Lebensqualität.» Und als Tipp gibt er auf den Weg: «Verletzungen und Beschwerden der Schulter sollte man nicht auf die leichte Schulter nehmen.»
Der Schulterspezialist
Dr. med. Holger Durchholz (42) ist Facharzt der Klinik Gut für Orthopädie und Traumatologie des Bewegungsapparates.
Klinik Gut
St. Moritz, Fläsch, Ascona, Bad Ragaz, Chur, Buchs (SG), Zürich Flughafen.
Spezialärzte für alle Gelenke, Sportmedizin, Schmerz- und Physiotherapie.
T: +41 (0)81 836 34 34
E: info@klinik-gut.ch
W: www.klinik-gut.ch
Dieser Fachbeitrag von Christian Gartmann erschien in der Gesundheitsbeilage zur SonntagsZeitung vom 17. Juni 2018.