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Drei Viertel der Briten wollen wieder Olympische Spiele

Ein Jahr nach London 2012 zeigt sich, welche die Wirkungen die Spiele auf Grossbritannien haben. In einer repräsentativen im Auftrag der BBC äussern sich die Briten insgesamt positiv zu den eingetretenen Effekten. 74 Prozent der Befragten würden es begrüssen, wenn Grossbritannien die Spiele wieder durchführen würde. 69 Prozent sind überzeugt, dass die öffentlichen Gelder für die Spiele gut verwendet worden sind.
Comres BBC olympic impact
Comres BBC olympic impact

Bezüglich der Effekte für das tägliche Leben sind die Resultate naturgemäss weniger hoch, aber dennoch positiv: Gut ein Fünftel der Befragten gibt an, dass sich seit den Spielen die öffentlichen Dienste verbessert hätten, und rund ein Drittel findet, dass die Spiele sich positiv auf die Sportanlagen in ihrer Umgebung auswirkten. Dieser Effekt ist im Süden des Landes stärker als im Norden, aber sogar im weit entfernten Schottland geben noch 27 Prozent der Befragten an, die Spiele hätten ihre Sportinfrastruktur verbessert.

Damit die Spiele tatsächlich einen langfristigen Effekt haben, muss in Grossbritannien denn auch weiter in den Sport investiert werden: Tim Lamb, CEO des Sport-Dachverbandes Sport and Recreation Alliance, sagte gegenüber der BBC, es sei wichtig, nun den Schwung zu behalten. Sportstätten müssten zu günstigen Preisen und mit guter Ausrüstung zur Verfügung stehen.

Grösste Knacknuss bei den langfristigen Auswirkungen ist nämlich die Frage, ob die Spiele die Briten «sportlicher» und damit auch gesünder machten. Hier geben heute erst 11 Prozent an, dass sie durch die Spiele sportlich aktiver geworden seien. Viel besser sieht dieser Effekt allerdings bei den Jugendlichen aus: Bereits ein Viertel der 18- bis 24-Jährigen ist heute aktiver als vor den Spielen.

Die immer wieder kritisierten Kosten der Spiele werden heute nicht mehr so kritisch beurteilt: 69 Prozent der Befragten finden, die Olympischen Spiele und die Paralympics seien die investierten Gelder wert gewesen.

Die langfristigen Effekte der Spiele 2012 können erst in ein paar Jahren geschätzt werden. Sportminister Hugh Robertson gibt denn gegenüber der BBC auch zu bedenken, dass man zwar einen sehr guten Start hingelegt habe, aber weiterhin sehr viel zu tun sei.

Kommentar

«Nur 11 Prozent» der Briten geben an, nach den Olympischen Spielen ihre sportliche Aktivität gesteigert zu haben. Nur 11 Prozent? Das ist fast ein Achtel der Befragten ab 18 bis ins hohe Alter und über alle Landesteile hinweg. Welche der vielen anderen Kampagnen für mehr Bewegung, gegen Fastfood oder Nikotinkonsum hatte in den vergangenen Jahrzehnten auch nur annähernd solche Effekte für die Gesundheit einer Gesamtbevölkerung?

Einen Achtel der Bevölkerung zu einer Verhaltensänderung zu bringen, ist eine beachtliche Leistung. Langfristig besonders wichtig ist aber, dass unter den jungen Erwachsenen zwischen 18 und 24 Jahren bereits 24 Prozent, also ein Viertel der Befragten, eine grössere Sportaktivität zu Protokoll geben. Zweifellos sind Olympische Sommerspiele ungleich teurer als ein paar Werbekampagnen.

Wenn von den 24 Prozent der jungen Erwachsenen aber nur ein Teil beim Sport bleibt und deshalb gesünder lebt, sind die Kosten allemal gut investiert: Grossbritannien budgetiert 2014 Gesundheitskosten von fast 130 Milliarden Pfund. Fallen die Gesundheitskosten nur um ein Prozent, wird das Gesamtbudget der Spiele von 9,3 Milliarden Pfund allein durch die eingesparten Gesundheitskosten in nur sieben Jahren wieder eingespielt.

Natürlich sind das nur Zahlenspiele und die erhofften Einsparungen müssen erst bewiesen werden. Die gesundheitlichen Auswirkungen sind aber nur einer von vielen Effekten, welche Olympische Spiele mit sich bringen. Grossbritannien ist sich heute mehrheitlich sicher, dass die Spiele von 2012 für das Land eine gute Sache waren. Auf die längerfristige Betrachtung fünf oder zehn Jahre nach den Spielen darf und muss man gespannt sein. Die heute verfügbaren Ergebnisse sind aber ein sehr guter Indikator.