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Transparente Information, echte Hilfe und eine Verschwörungstheorie

Das Erdbebendesaster und die drohende Atomkatastrophe in Japan bewegen Menschen weltweit. Neben den klassischen Nachrichtenmedien in Internet, Fernsehen, Radio und Print bieten Social Media mit unzähligen Newsplattformen, Blogs und Textdiensten rund um die Uhr gesicherte und ungesicherte Nachrichten aus dem Katastrophengebiet, Suchdienste für Vermisste, Spendenmöglichkeiten und allerlei Abstruses.

Wenn Journalisten in diesen Tagen gesicherte Informationen über Opferzahlen des Erdbebens, den Zustand verschiedener Atomreaktoren oder den Grad der Verstrahlung ihrer Umgebung suchen, zapfen sie neben den offiziellen staatlichen Quellen auch soziale Netzwerke an. Trotz Stromengpässen und Netzüberlastung sind Social Media in der Krise ein valables Mittel, sich mitzuteilen und zu informieren. Den klassischen Medien bieten sie Informationen aus erster Hand.

Den Betreibergesellschaften der japanischen AKW trauen nach mehreren vertuschten Schäden, Pannen und Störfällen der letzten Jahre auch die technologiegläubigen Japaner nicht mehr, und die staatliche Information wird mit viel Vorsicht genossen. Vor allem in den ersten Tagen nach dem Beben hatte die japanische Regierung dermassen zurückhaltend orientiert, dass sich sogar die daran gewöhnten Japaner fragen, was man ihnen denn alles vorenthält.

Regierung schiebt den schwarzen Peter an Kraftwerksbetreiber ab

Auch heute ist kaum zu beurteilen, ob die staatliche Information verlässlich über den aktuellen Zustand der Atommeiler im Katastrophengebiet berichtet. Der Druck auf die Regierung wächst, denn in Japan selbst wird der Ruf nach transparenter Information immer lauter, und rund um den Globus greifen immer mehr Medien die Berichte von Betroffenen in der Katastrophenzone auf und stellen sie der Regierungsinformation gegenüber. Die Regierung schiebt die Verantwortung auf die Kraftwerksbetreiber. Ministerpräsident Kan äussert sich empört über deren Informationspolitik.

YouTube bietet neben einer sehr grossen Zahl von User-Videos diverse Medienberichte und einen Live-Ticker. In Facebook sind unzählige Seiten und Gruppen entstanden; von reinen Sympathiekundgebungen für die Opfer und Überlebens-Tipps im Katastrophengebiet bis zu Spendenaufrufen ist so gut wie alles zu finden. Auch klassische Medien bieten Nutzern die Gelegenheit, ihre Inhalte hochzuladen und generieren so aktiv Inhalte, die sie neben ihren eigenen Recherchen publizieren können.

Spenden-Millionen aus Facebook-Spielen

  • Auch im Katastrophengebiet selbst leisten Social Media grosse Hilfe. Die Plattform Ushahidi.com hilft mit ihrer Crowdsourcing-Technologie, Rettungstrupps in Echtzeit zu koordinieren, und rettete schon beim Erdbeben in Haiti viele Leben, wie die FAZ im Februar berichtete.
  • Google stellt, wie schon beim Erdbeben in Neuseeland vor einigen Wochen, ihren Person Finder zur Verfügung, und verschiedene lokale Mobiltelefonanbieter bieten ähnliche Dienste für Betroffene.

Schon beim Erdbeben in Haiti 2009 hatten Social Media bewiesen, dass sie gerade in Katastrophenszenarien sehr gute Möglichkeiten zur Verständigung bieten. Die ersten Live-Reportagen aus dem verwüsteten Karibikstaat kamen über Twitter, Social-Media-Plattformen organisierten Hilfe, und der aus Facebook bekannte Spielehersteller Zynga sammelte mit Spielen wie Farmville Millionen von Dollars.

Und, wie immer bei Grossereignissen, kommen auch absurde Geschichten an die Oberfläche. So zum Beispiel die Verschwörungstheorie, dass das Erdbeben in Japan gar keine Naturkatastrophe gewesen sei, sondern von den USA mit einer geheimen Erdbebenwaffe absichtlich herbeigeführt wurde.